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Ethik

Ist es ethisch, eine hilflose Person über die Straße zu führen? „Ja“ sagen Sie spontan, aber das wissen wir noch nicht! Da müsste man zuerst Sorge tragen, keinen naturalistischen Fehlschluss zu begehen, der ethische Relativismus stellt uns da vor große Probleme, die nur auf metaethischer Ebene mit Hilfe der Ratio ausgeräumt werden können. Spontanethik hilft uns da nicht weiter. Wir brauchen Philosophen, die uns über den minimalethischen Konsens aufklären, uns Werte und Normen begründen, und deren Begründung wir vielleicht verwerfen müssen. Wir wollen ja schließlich nicht nur gemäß der Legalität, sondern auch gemäß der Moralität handeln, nicht dass wir etwa in den Verdacht geraten, nepotistisch auf einer niederen Kohlbergschen Stufe der Moralentwicklung so dahinzuvegetieren. Alles ganz schön anstrengend. Überall muss man denken, prüfen, abstrahieren und begreifen.

Warum der ganze Aufwand? Ist doch klar, dass die hilflose Person über die Straße geführt werden muss! Gut, das wird sie am Ende wahrscheinlich auch, aber wollen Sie immer einfach tun, was man Ihnen sagt, ohne dass Sie selbst begreifen, was Sie tun? Weil „man das halt so macht?“ Der Mehrheit zu folgen, war nicht immer richtig, einzelne haben manchmal mehr recht als die meisten. Sokrates gilt auch umgekehrt: „Ich weiß nicht, das ich nichts weiß!“ Wir leben in einer demokratisch aufgeklärten Welt. Wir brauchen ein Instrumentarium, um uns gegen Manipulation zu schützen, um verkrustete Strukturen zu verhindern und die Fragen der Zeit gemäß den Forderungen der Zeit zu beantworten. Moral ist wandelbar: Farbige sind keine Sklaven mehr, Frauen dürfen wählen, es gibt keine Todesstrafe mehr, „wilde Ehen“ sind normal, Homosexuelle werden staatlich geschützt, eheliche Gewalt ist eine solche und keine Privatsache mehr, Atheismus ist auch ein Glaube, Sterbehilfe ist diskussionswürdig, pränatale Diagnostik eine Verantwortung und Affen genießen Menschenrechte und das Nichts ist nicht unbedingt schlechter als das Etwas! Das war nicht immer so und vielleicht sind Sie nicht mit allem einverstanden, na dann aber ran an die ethisch-philosophischen Buletten Immanuel Kant, Ludger Lütkehaus, Peter Singer. Es geht um die Fragen des Lebens.

Ethik ist vielleicht das Fach, das wirklich den Schülern gehört, weil es um deren Person geht und nicht um ihre berufstechnisch, wirtschaftlich vorteilhafte Munitionierung, sondern tatsächlich darum: „Wie willst DU leben – und vielleicht auch sterben?“

Dies geschieht nicht auf der Ebene des Meinungsaustauschs im Stuhlkreis. Die Basis bilden Philosophen, die man begreifen und kommentieren muss. Eklektizismus ist erlaubt und der Beweis einer intellektuellen Leistung. Niemand wird missioniert aber alle konfrontiert, das ist ein Geschenk! Ethik ist kein leichtes Fach, weder zu unterrichten noch zu verkosten, aber es ist das Sahnehäubchen des Daseins; den Luxus muss man sich erstmal leisten können, losgelöst von aller Verwendbarkeit, sich über das Leben zu stellen und zu sagen: „Komm mal her und lass dich kraulen!“ Übrigens: Die Oma ist sicher drüben angekommen – warum? Was glauben Sie denn?
 

Anstehende Termine

  1. 2.GLK

    Mo, 7.12. , 15:40 - 17:30
  2. Unterstufen-Weihnachtsturnier Stufe 5-6

    Fr, 18.12.
  3. Weihnachtsferien

    Mi, 23.12.2020 - So, 10.01.2021
  4. 4er Infotag

    Fr, 5.02.2021 , 14:30 - 17:00
  5. Faschingsferien

    Sa, 13.02.2021 - So, 21.02.2021